Seit 1427 haben sechs verschiedene Familien im Manoir de Goaz Froment gelebt, und es gibt 1001 Geschichten zu erzählen!
Während Ihres Aufenthalts laden Blanche & Olaf Sie zu einem historischen Rundgang über das Anwesen ein (Pauschale 25 € zugunsten der „Association des Amis du Manoir“): „Tauchen Sie ein in die Geschichte eines Renaissance-Herrenhauses im Trégor!“ Sie erzählen Ihnen, warum das Herrenhaus genau an diesem Ort erbaut wurde, worin der architektonische Stilbruch vom gotischen zum Renaissance-Herrenhaus besteht, wie man damals lebte und wie es sich heute dort lebt, sowie den Wandel vom herrschaftlichen Anwesen zum landwirtschaftlichen Betrieb. All diese Themen werden sie Ihnen mit Leidenschaft näherbringen, damit Sie dieses bretonische Kulturerbe hautnah erleben können..
Beginnen wir mit Blanche: Sie hat all ihre Ferien im Haus ihrer Großeltern auf Belle-Île-en-Mer verbracht. Doch die Ursprünge ihrer Familie liegen nicht auf der Insel: Verschiedene französische Provinzen wie das Berry und das Aveyron sind ebenso vertreten wie das Elsass, dazu kommen das Tessin und Italien. Die Wurzeln ihres Vaters lassen sich bis weit ins 17. Jahrhundert zu einer Patrizierfamilie in Venedig zurückverfolgen. Ein entfernter Vorfahre wurde sogar Kardinal und später Papst!
Und Olaf: Wenn er von Urlaub spricht, leuchten seine Augen bei Gedanken an die Ostsee und die skandinavischen Länder. Diesen Regionen fühlt er sich auch aufgrund seiner Herkunft verbunden. Ein Teil seiner Familie stammt aus Westfalen und Westpreußen; väterlicherseits liegt die Wiege rund um die Ostsee, zwischen Schweden, Livland und Lettland, wo man auch einen alten Ritter im Dienst des schwedischen Königs findet.
Blanche & Olaf – ein deutsch-französisches Paar und vor allem Europäer. Ihre Wurzeln sind europäisch; was könnte also logischer sein, als mit ihrer Liebe zum Meer in der Bretagne zu leben? Doch bevor sie 2016 in den Trégor zogen, war es Erasmus (das europäische Programm), das sie 1994 während eines Studierendenaustauschs in Paris zusammenbrachte.
Blanche Rubini und Olaf Mühlmann gründeten 1998 „les graphistes rübimann“ (später rübimann design). Gemeinsam mit ihren zwei Töchtern jonglierten sie zwischen Grafikdesign und Familienalltag. Sie arbeiteten für große nationale Anliegen wie die Alzheimer-Hilfe (France Alzheimer) und gewannen zweimal in Folge einen großen europäischen Grafikwettbewerb von SAPPI – ideas that matter. Zu ihren weiteren Kunden zählen Institutionen wie das französische Kulturministerium, die Fondation Abbé Pierre oder das Kulturamt von Fontenay-sous-Bois im Großraum Paris. Ihre Expertise in zweisprachiger Kommunikation zeigt sich regelmäßig in Publikationen des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW) in Paris und Berlin.
Blanche absolvierte nach einem Universitätsstudium der bildenden Künste und einem Aufenthalt am Central Saint Martin’s College of Art & Design in London ihr Studium an der École Nationale Supérieure des Arts Décoratifs de Paris (ENSAD) mit Schwerpunkt visuelle Kommunikation.
Seit 1996 ist sie als Grafikdesignerin tätig und leitete vier Jahre lang ein mittelständisches Unternehmen, bevor sie im Alter von 38 Jahren zur stellvertretenden Bürgermeisterin von Asnières-sur-Seine (83.000 Einwohner) gewählt wurde, ein Amt, das sie bis 2014 innehatte. Seit 2010 leitet sie den Kundenservice bei rübimann design. Ihr beruflicher Werdegang hat ihr neben ihrem „geschulten Auge“ eine Schlüsselkompetenz verliehen, von der ihre Kunden heute profitieren: die profunde Kenntnis der Unternehmensführung und Managementfragen.
Olaf absolvierte sein Designstudium an der Fachhochschule Dortmund, unterbrochen durch einen sechsmonatigen Aufenthalt an der École des Arts Décoratifs in Paris, und schloss anschließend ein Studium in Pädagogik und Philosophie ab. Sein Studium finanzierte er, indem er sieben Jahre lang in der Kommunikationsabteilung der Stadt Dortmund (600.000 Einwohner) arbeitete.
Nach einer Mitarbeit bei den Grafikdesign-Ateliers „Nous Travaillons Ensemble“ gründete er die Agentur rübimann design, deren Creative Director er heute ist. Parallel dazu lehrte Olaf an der École Nationale Supérieure des Arts Appliqués Olivier de Serres in Paris (ENSAAMA) und beteiligte sich an Design-Diskursen an der Fachhochschule Potsdam bei Berlin. 2019 leitete er einen Workshop für Typografie im Rahmen des DNMAD-Programms in Savinna (Tréguier) und unterrichtet dort seit 2023 Grafikdesign.
Von 2011 bis 2020 war Olaf Vorstandsmitglied der Alliance française des designers (AFD) und von 2011 bis 2017 Mitglied der Fachkommission der Maison des Artistes. Er wirkt regelmäßig als Jurymitglied, beispielsweise beim Joseph Binder Award in Österreich.
Blanche & Olaf leben und arbeiten seit 2016 in der Bretagne im Trégor an neuen Projekten im Manoir de Goaz Froment.
(Text teilweise verfasst von Laure Morandi)
Im Frühjahr 2017 erwarben die Künstler und Designer Blanche und Olaf Mühlmann das Manoir de Goaz Froment, um dort zu leben; sie sind die sechsten Eigentümer des Anwesens. Im Jahr 2020 kauften sie das Grundstück sowie die Ruine der ehemaligen Kapelle Saint Fiacre, die 600 Meter vom Herrenhaus entfernt liegt, um sie wieder in das Anwesen einzugliedern. Sie entdeckten die Geschichte ihres Herrenhauses durch das Studium verschiedener Werke, die entweder vom Inventar der Region Bretagne oder von Liebhabern der Lokalgeschichte herausgegeben wurden.
Das Manoir de Goaz Froment, das heute zur Gemeinde Le Vieux-Marché gehört (bis 1866 zu Plouaret), ist durch seine herrschaftliche Vergangenheit und die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit (Basse Justice) geschichtsträchtig.
Das heutige Renaissance-Gebäude wurde zwischen 1598 und 1601 von Yves Le Bœuf anlässlich seiner Hochzeit mit Augustine Cariou de Goasven neu errichtet. Seine Ursprünge gehen laut den Truppenmustern (montres) von Tréguier bis ins Jahr 1427 zurück.
Es weist Stilelemente und eine Raumaufteilung des späten 16. Jahrhunderts auf, die für ihre Zeit als recht modern gelten: das Volumen, die Aufteilung, eine gegenläufige Treppe in einem Turm, der als zentraler Pavillon fungiert, die Größe der Fenster sowie monumentale Rundbogeneingänge, die mit Säulen und Pilastern verziert sind und jeweils von einem dreieckigen Giebel mit Renaissance-Dekor überragt werden.
Das Haupttor führt in das Vestibül, während sich das Seitentor direkt zum unteren Saal, dem ehemaligen Gerichtssaal, öffnet.
Über die Eigentümer der Herrschaft ist laut dem Werk „Nobiliaire et armorial de Bretagne“ Folgendes bekannt: Die Familie Le Bœuf, Herren von Goasfroment und Kerminihy, Pfarrei Plouaret. Yves Le Beuff, Sohn von Alain, heiratete vor 1535 Marie Taillart.
Yves Le Bœuf (Le Beuff) (1569–1648) heiratete 1600 Augustine Cariou de Goasven (1570–1633). Ihr Sohn François Le Bœuf (ca. 1620–1696) war erst mit Julienne Rospabu und danach mit Françoise Coupé verheiratet.
Julienne Le Beuff war am 5. August 1696 Patin einer Glocke der Kapelle Saint Fiacre, die sich 600 Meter vom Herrenhaus entfernt befindet. Diese Kapelle fand nach der Französischen Revolution keinen Käufer und liegt heute in Ruinen.
François Le Bœuf, Notar, wird im 17. Jahrhundert als „écuyer“ (Edelmann) und Herr von Goaz Froment bezeichnet. Sein Wappen ist „in Schwarz ein goldener Ochsenkopf, begleitet von unzähligen goldenen Sporenrädern“ (de sable semé de mollettes d'esperon d'or a la rencontre de boeuff de mesme).
Mitte des 18. Jahrhunderts gingen die Ländereien in die Hände von Louis Julien Le Lay de Kerverzio und später von Yves Marie Le Lay de Kermaben über.
Nach der Beschlagnahmung und dem Verkauf als „Nationalgut“ (Bien National) wurde das Herrenhaus 1794 von Jean-Baptiste Juste (dem Großvater von Charles Le Goffic) erworben. Der 1746 in Versailles geborene ehemalige Soldat der französischen Garde, der unter Gilbert du Motier, Marquis de La Fayette, gedient hatte, war 1784 „Postmeister“ in Lannion.
Es heißt, der Marquis de La Fayette habe im Herbst 1801 drei Monate im Manoir de Goaz Froment verbracht.
Ab 1806 bewirtschaftete die Bauernfamilie Le Guen die Ländereien, die für 200 Jahre in ihrem Familienbesitz blieben. Danach folgten zwölf Jahre durch die Brüder Christian und Didier Kulig.
Im Frühjahr 2017 erwarben die Künstler und Designer Blanche und Olaf Mühlmann das Manoir de Goaz Froment, um dort zu leben; sie sind die sechsten Eigentümer des Anwesens. Am 29. Juli 2020 kauften sie das Grundstück und die Ruine der ehemaligen Kapelle Saint Fiacre, um sie wieder in das Anwesen einzugliedern.
En 2020, Blanche et Olaf font appel au architectes lannionais Atelier Rubin pour agrandir la cuisine du manoir. Dans les années 1970, une partie du bâtiment Maison du four a été démoli et laissé un trou entre le manoir et la maison. L’agrandissement permet de retrouver un équilibre visuel du manoir avec ses dépendances et recréé une unité de l’ensemble.
Quellen (auf französisch)
Partiellement d’après l’Inventaire du patrimoine culturel en Bretagne
Armoiries des familles Le Beuff et Le Lay : Carte du nobiliaire de la province de Bretagne
(Par Jacques Chevillard, Bibliothèque nationale de France)
Bibliographie pour aller plus loin :
Christel Douard et Jean Kerhervé, Manoirs Une histoire en Bretagne,
Éditions Locus Sous, Châteaulin, 2021. [p. 174]
Jean-Louis H. Dupré, Le manoir du Traou en Le Merzer,
Auto-édition, Imprimerie de Guingamp, Guingamp, 2003. [p.123-131, couv. IV]
Alain Le Nedelec, Vie de Château d’Armor en Argot,
Éditions L’écho, PointCom Ploumagoar, 2010. [p. 302-305]
Université du temps libre des Côtes-d’Armor, La Poste aux chevaux en Côtes-d’Armor, Les Presses Bretonnes, Saint Brieuc, 1991. [p. 221-233 : Lannion: Le fils du gondolier Jean-Baptiste Juste — troisième propriétaire, Lafayette…]
Christian Kulig et Patrick Worthington, Châteaux et Manoirs, Éditions Trésors du Trégor, Saint-Thonan, 2013 [p. 24, 33, 243, 256] et 2020 [p. 12, 26, 35, 253, 255]
Christian Kulig, Regard sur les épis de faitage en Côtes-d’Armor, Éditions Anagrammes, Perros-Guirec, 2009. [p. 10, 52]
Yves Ollivier, La seigneurie de Kermaben en Plouaret (22),
Y. Ollivier, 2005. [p. 51-56, 62, 63;
Généalogie de la famille Le Beuff — premier propriétaire : p. 208-213;
Louis Julien Le Lay — deuxième propriétaire : p. 62, 63,…]
Sites internet pour aller plus loin :
Inventaire du patrimoine culturel en Bretagne (Région Bretagne)
OP : plateforme ouverte du patrimoine (ministère de la Culture)
Télé-Trégor : Le Manoir de Goaz Froment (vidéo de 11’01 tourné en 2013)
Manoir Renaissance Trégor, Bretagne
Côtes de Granit Rose
Trégor Pays d’Art et d’Histoire
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